Weihnachten in Berlin

Der Weihnachtsbaum und sein Schmuck rund um die Welt

Wer in Berlins internationalen Vierteln in der Vorweihnachtszeit durch die Häuser zieht, den überrascht so mancher sehr skurril geschmückter Weihnachtsbaum. Denn die deutsche Weihnachtsbaumtradition hat bei ihrer Reise um den Globus so einige Veränderungen erfahren – und in vielen Ländern werden die fehlenden Nadeln mit einer gehörigen Portion Kreativität ersetzt.

Zeige mir deinen Weihnachtsbaum, und ich sage dir, woher du kommst: Seit der Weihnachtsbaum sich ab dem 15. Jahrhundert aus Deutschland in den Rest der Welt verbreitet hat, sind seine traditionellen Schmuck- und Baumarten immer wieder kuriosen Veränderungen unterworfen worden. Oft wurde hier aus einem Notzustand gehandelt. Schließlich wachsen nicht überall auf der Welt Tannen, und die südliche Hemisphäre feiert Weihnachten im Hochsommer. So kann man in Indien über dekorierte Palmen und in Japan über kunstvolle Metallbäume stolpern, die der in Deutschland so klassischen Tanne mit ihren Kerzen nur noch sehr, sehr entfernt ähnlich sieht.

Palmen und Keimlinge als Weihnachtsbäume

In vielen Ländern, in denen keine Tannen wachsen können, haben die Menschen ihre ganz eigenen Weihnachtsbäume gezüchtet. Während in Indien und Bangladesch einfach Bananenpalmen und ihre Blätter statt Tannenzweigen als Dekoration verwendet werden, werden auch in Ghana und Liberia oft Palmen statt Tannen geschmückt. Im Libanon hingegen werden sogar eigene kleine „Weihnachtsbäume“ hergestellt: Hier werden aus Erbsen- oder Bohnensamen Keimlinge aus Wattebäuschen gezüchtet, die zu Weihnachten etwa 15 cm Größe erreicht haben und für die weihnachtliche Dekoration eingesetzt werden.

Viele Länder greifen Mangels von Tannen auch auf künstliche Weihnachtsbäume zurück. Kurioserweise stammt auch dieser Brauch aus Deutschland: Im 18. Jahrhundert wurde hier der erste künstliche Weihnachtsbaum aus grün eingefärbten Gänsefedern hergestellt. Heute sind die künstlichen Weihnachtsbäume eher aus Plastik, aber auch aus Metall oder Federn hergestellt. Künstliche Weihnachtsbäume sind nicht nur in den USA und Kanada, sondern auch in Ländern ohne Tannen weit verbreitet. In Südamerika und in Australien werden sie oft mit Wattebäuschen behangen, die den Schnee simulieren sollen.

Kleine Kunstwerke: japanische „Lichtbäume“

In China und Japan wird Weihnachten ähnlich wie bei uns Halloween gefeiert. Obwohl die Länder keine christlichen Traditionen besitzen, ist es schick, einen künstlichen Weihnachtsbaum zu haben. Der nennt sich hier „Lichtbaum“ und ist dementsprechend oft mit kunstvoll gefertigten kleinen Laternen geschmückt. Und auch in Ägypten feiert die christliche Minderheit mit Plastiktannen. In Kenia sind die Kinder nicht nur für das Schmücken der künstlichen Tannen, sondern auch für das Aufräumen nach dem Weihnachtsfest zuständig.

Im Senegal finden sich sogar Weihnachtsbäume in Moscheen: Das islamische Land ehrt seine christliche Minderheit damit, die künstlichen Bäume in ihren Moscheen aufzustellen. Obwohl hier nur 95 Prozent der Bevölkerung muslimisch ist, feiern so alle Senegalesen ein wenig Weihnachten.

Eigenheiten in der Dekoration: Stroh und Flaggen

Auch bei der Dekoration unterscheiden sich die Länder erheblich: Kaum ein Land hält so eisern an Kerzen als Beleuchtung fest wie Deutschland. Stattdessen sind Lichterketten und kleine Laternen weltweit als Schmuck verbreitet. In Dänemark werden die Bäume traditionell rot-weiß nach den Farben der Nationalflagge geschmückt, und auch in den USA sind „Flaggen-Bäume“ weit verbreitet. In den Balkanländern wird hingegen immer noch viel gebastelt in der Vorweihnachtszeit: Die kleinen Kunstwerke aus Stroh, welche die Zweige zieren, sind oft von den eigenen Kindern selbst gefertigt.

Norwegen ist das Land auf der Welt, in dem die Menschen immer noch ausziehen und ihren Weihnachtsbaum größtenteils selbst schlagen. Wesentlich verbreiteter sind Weihnachtsbäume aus Forstungen und künstliche Weihnachtsbäume. Die halten übrigens auch in Deutschland langsam Einzug: Einer Statistik von 2012 zufolge haben 60 Prozent der Deutschen einen Weihnachtsbaum; 43 Prozent dieser Bäume sind echte Tannen und 17 Prozent künstlich. Innerhalb dieser bestehen große ästhetische und qualitative Unterschiede. So gibt es neben den im Supermarkt käuflichen, oft künstlich aussehenden Bäumen auch Angebote, die echten Tannen zum Verwechseln ähnlich sehen.